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Modulares Bauen und CRR3 — Bewertung als Renditehebel

Erstellt von Hary Stubnya |

Typgenehmigte ISO-Module mit reproduzierbarem Immobilienwert, 20% Risikogewicht nach CRR3 und Kreditraten deutlich unter der Miete — was das für Eigentümer und Investoren konkret bedeutet.

Modulares Bauen und CRR3 — Wie standardisierte Bewertung neue Wohnkonzepte finanzierbar macht

Ergebnis vorweg: Die Zahlen

Modulare Wohngebäude auf ISO-Normgrößen kosten 1.200 bis 1.500 EUR pro Quadratmeter in der Herstellung. Klassischer Neubau liegt bei 2.500 bis 3.500 EUR. Daraus ergibt sich eine Kreditrate, die 150 bis 350 EUR pro Monat unter der vergleichbaren Miete liegt. Und nach 15 Jahren gehört das Objekt dem Eigentümer.

Das funktioniert, weil eine europäische Regulierungsänderung — die CRR3, seit dem 1. Januar 2025 in Kraft — genau diese Bauweise belohnt: Standardisierte Module mit Typengenehmigung erreichen einen reproduzierbaren Immobilienwert. Banken können diese Objekte als vollwertige Immobilie finanzieren, mit dem niedrigsten verfügbaren Risikogewicht.


Was modulares Bauen mit Bewertung zu tun hat

Typenbewertung statt Einzelgutachten

Ein wesentlicher Kostenfaktor bei Immobilienfinanzierungen ist die Bewertung. Jedes Objekt wird einzeln begutachtet — Lage, Substanz, Ausstattung, alles individuell. Bei typgenehmigten Modulen auf ISO-Normgrößen (10, 20 und 40 Fuß) ändert sich das grundlegend.

Vorgefertigte, optimierte Grundrisse nach einem einheitlichen Produktionsstandard ermöglichen eine Typenbewertung: Das Modell ist bekannt, die Bauweise ist identisch, der Verkehrswert ist reproduzierbar. Vergleichbar mit einem Neuwagen — Marke und Modell definieren den Wert, nicht eine aufwändige Einzelinspektion.

Für den Sachverständigen bedeutet das: Der Bewertungsaufwand sinkt erheblich. Für den Eigentümer bedeutet es niedrigere Bewertungskosten bei gleichzeitig höherer Transparenz.

Digital Twin und Seriennummer

Jedes Modul wird mit einem digitalen Zwilling und einer Seriennummer ausgeliefert. Bausubstanz, Wartungshistorie, Energieeffizienz — alles dokumentiert und jederzeit abrufbar. Die Anforderungen nach Artikel 229 CRR3 an die Immobiliendokumentation werden damit nicht nur erfüllt, sondern übertroffen.

Für das Portfolio-Monitoring einer Bank wird die Überwachung bei standardisierten Modulen deutlich einfacher: Gleiche Bauweise, gleiche Werte, vollständige Nachverfolgbarkeit.


CRR3 und das 20-Prozent-Risikogewicht

Die 55-Prozent-Schwelle

Seit dem 1. Januar 2025 regelt die CRR3 (Verordnung EU 2024/1623), wie Banken Immobilienkredite mit Eigenkapital unterlegen müssen. Der entscheidende Hebel: das Loan-to-Value-Verhältnis, also das Verhältnis zwischen Kreditbetrag und Immobilienwert.

Bei wohnwirtschaftlichen Krediten ohne Einkommensabhängigkeit (Non-IPRE) gilt: Liegt der Loan-to-Value-Wert unter 55 Prozent, beträgt das Risikogewicht nur 20 Prozent. Das ist die niedrigste Kategorie.

Bei Modulkosten von 1.200 bis 1.500 EUR pro Quadratmeter und sauberer Kalkulation wird diese Schwelle regelmäßig unterschritten. Die Bank profitiert direkt: Weniger Eigenkapitalbedarf bedeutet effizienteren Kapitaleinsatz.

Eigenkapitaleffizienz im Vergleich

KredittypRisikogewichtEigenkapitalbedarfBei 1 Mio. EUR Kredit
Modulbau (Non-IPRE, Loan-to-Value unter 55%)20%1,6%16.000 EUR
Klassischer Wohnbau (Non-IPRE, Loan-to-Value unter 55%)20%1,6%16.000 EUR
Mietobjekt (IPRE, Loan-to-Value 60-80%)45%3,6%36.000 EUR

Der Unterschied: Bei klassischem Wohnbau ist die 55-Prozent-Schwelle durch hohe Baukosten schwerer zu erreichen. Bei Modulbauweise liegt sie nahezu automatisch im Zielkorridor.


Kreditrate versus Miete — konkrete Zahlen

Die Bundesbank meldete im Januar 2026 einen Durchschnittszins von 3,23 Prozent für Wohnungsbaukredite mit mehr als zehn Jahren Zinsbindung.

WohnungstypModuleKosten (1.500 EUR/m2)Rate pro Monat (15 Jahre, 3,23%)Vergleichsmiete warmVorteil
30 m2 Einheit245.000 EURca. 350 EURca. 500 EUR150 EUR weniger
55-60 m2 Einheit482.500-90.000 EURca. 600-660 EURca. 825-900 EUR200 EUR weniger
90-100 m2 Familie6-7135.000-150.000 EURca. 985-1.095 EURca. 1.350-1.500 EUR350 EUR weniger

Die Gesamtersparnis über 15 Jahre gegenüber der Miete beträgt 27.000 bis 63.000 EUR — bei gleichzeitigem Eigentumsaufbau.

Für die Risikobetrachtung ist ein Punkt besonders relevant: Wenn die Kreditrate dauerhaft unter der ortsüblichen Miete liegt, gibt es keinen ökonomischen Anreiz für den Kreditnehmer, den Kredit nicht zu bedienen.


Was bei Kreditausfall passiert — das Null-Verlust-Szenario

Bei klassischen Immobilien verliert die Bank bei Zwangsversteigerung erfahrungsgemäß 20 bis 40 Prozent des Verkehrswerts. Bei standardisierten Modulen entstehen drei zusätzliche Verwertungsoptionen:

1. Umwandlung in ein Mietverhältnis: Die Bank vermietet das Modul zur ortsüblichen Miete. Diese liegt — wie oben gezeigt — über der bisherigen Kreditrate. Die Bank fährt im Ausfall wirtschaftlich besser als im laufenden Kredit.

2. Zweitmarkt-Verkauf: Module mit Seriennummer und Digital Twin haben einen standardisierten Restwert. Kein Wertverlust durch Zwangsversteigerung, sondern geordneter Verkauf über die Plattform.

3. Physische Versetzung: Ein Modul kann an einen Standort mit höherer Nachfrage gebracht werden. Kein Leerstand.

SzenarioKreditrateOrtsübliche MieteDifferenz für die Bank
30 m2ca. 350 EUR/Monatca. 500 EUR/Monat+150 EUR/Monat
60 m2ca. 700 EUR/Monatca. 1.000 EUR/Monat+300 EUR/Monat

Dieses Risikoprofil — multiple Verwertungsoptionen, standardisierter Restwert, Miete über Kreditrate — existiert bei klassischen Immobilien nicht in dieser Form.


Das Spannungsverhältnis: Steuerlich beweglich, baurechtlich Immobilie

Typgenehmigte Module auf Schraubfundamenten sind reversibel montiert, aber statisch nachgewiesen. Daraus ergibt sich ein Spannungsverhältnis, das für die Bewertung relevant ist:

  • Steuerlich können Module als bewegliche Wirtschaftsgüter behandelt werden — 8 bis 10 Jahre Abschreibungsdauer, keine Grunderwerbsteuer bei Vermeidung einer festen Verbindung mit dem Boden nach Paragraph 94 BGB.
  • Baurechtlich gelten dauerhaft bewohnte Module als Gebäude — mit Typengenehmigung (DIBt/ETA) und ISO-Standard als Grundlage für den Property Value nach Artikel 229 CRR3.

Die dokumentierte Rückbaubarkeit sichert die steuerliche Einordnung. Die Typengenehmigung sichert die Bankfinanzierung. Beides gleichzeitig — das ist die Lösung.

Dieser doppelte Status erfordert eine sorgfältige Bewertung, die beide Perspektiven berücksichtigt: den Verkehrswert als Immobilie für die Finanzierung und den steuerlichen Restwert als bewegliches Wirtschaftsgut für die Abschreibung. Ein erfahrener Sachverständiger kennt beide Seiten.


Der europäische Vorteil gegenüber dem US-Markt

In den USA werden vergleichbare Modulbauten häufig über Chattel Loans finanziert — Konsumentenkredite ohne Hypothekenstatus, mit Zinssätzen von 7,8 Prozent und mehr. 42 Prozent aller Manufactured Home Loans in den USA sind solche Chattel Loans.

Der europäische Ansatz löst genau dieses Problem: Typgenehmigte Module mit ISO-Standard, CE-Marking und Digital Product Passport qualifizieren sich nach CRR3 als vollwertiger Property Value. Die Folge: Hypothekenzins statt Konsumentenzins. Bei aktuellen Konditionen bedeutet das 3,5 Prozent statt 7,8 Prozent und mehr.

Für den Investor und Kapitalanleger ist der Zinsunterschied nicht abstrakt — er entscheidet über die Rendite des gesamten Projekts.


Was das für Eigentümer und Investoren bedeutet

Die Kombination aus drei Faktoren macht modulares Bauen zu einer bewertungstechnisch interessanten Assetklasse:

1. Reproduzierbarer Verkehrswert durch Typengenehmigung und standardisierte Produktion — Typenbewertung statt Einzelgutachten.
2. Optimales Risikogewicht durch niedrige Baukosten und günstigen Loan-to-Value — 20 Prozent nach CRR3 bei Unterschreitung der 55-Prozent-Schwelle.
3. Kreditrate unter Miete durch serielle Fertigung und saubere Kalkulation — mit Eigentumsaufbau als Ergebnis.

Der standardisierte Zweitmarkt mit Seriennummern und Digital Twin schafft zusätzlich eine Fungibilität, die bei klassischen Immobilien nicht gegeben ist. Module werden zu handelbaren Assets mit bekanntem Wert und dokumentierter Historie.


Nächster Schritt: Fachkundige Begleitung

Die Bewertung modularer Wohngebäude verbindet klassisches Bewertungswissen mit den Besonderheiten standardisierter Serienfertigung, CRR3-Konformität und der steuerlichen Einordnung als bewegliches Wirtschaftsgut. Für eine belastbare Finanzierung braucht es einen Verkehrswert, der beide Perspektiven abbildet — und zusätzlich einen Finanzberater, der die CRR3-optimierte Kreditstruktur beim Kreditinstitut durchsetzt, sowie einen Baurechtsexperten für die Genehmigungsfragen.

Als Mitglied der HSG — High Specialised Group — arbeiten wir mit spezialisierten Finanzberatern und Baurechtsexperten in der Metropolregion Nürnberg zusammen. Keine anonyme Vermittlung, sondern persönliche Empfehlung an Kollegen, für deren Arbeit wir einstehen. Sprechen Sie uns an.

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Modernes modulares Wohngebäude aus standardisierten ISO-Modulen mit professioneller Bewertungsmappe im Vordergrund
Europäisches modulares Wohngebäude aus ISO-genormten Modulen, davor eine aufgeschlagene Bewertungsmappe mit Zahlen und Diagrammen, im Hintergrund eine ruhige deutsche Wohngegend bei Tageslicht.